Italien in der Zinsfalle – Banken ziehen sich zurück

Bildquelle: kleinezeitung.at

Italien gerät an den Finanzmärkten immer stärker unter Druck. Die Zinssätze für Staatsanleihen des Landes steigen seit Monaten und befinden sich mittlerweile auf äußerst kritischem Niveau. Für Papiere von zehnjähriger Laufzeit muss die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi mittlerweile sechs Prozent Zinsen bieten. Als Vergleich: Staatsanleihen der Bundesrepublik für den gleichen Zeitraum sind mit gerade einmal 2,4 Prozent dotiert.

Die Wurzeln der italienischen Probleme

Italien leidet unter immenser Verschuldung. Nach Griechenland weist das Land die zweithöchste Verschuldung der gesamten Eurozone auf. Die Finanzkrise, die Griechenland, Irland und auch Portugal seit Monaten im Würgegriff hält, droht deshalb auf Italien überzugreifen. Als Reaktion hat sich die Regierung in Rom ein striktes Sparpaket verordnet. Ministerpräsident Berlusconi will in den kommenden Jahren 48 Milliarden Euro einsparen und 2014 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Was als Befreiungsschlag gedacht war, entpuppte sich jedoch als das genaue Gegenteil.

Anleger und Banken vertrauen Italien nicht mehr

Die Finanzmärkte reagierten äußerst skeptisch auf dieses Vorhaben. Zum einen haben die Anleger Zweifel an der Stärke der amtierenden Regierung, das Sparpaket tatsächlich durchzusetzen, zum anderen beruht das Projekt auf sehr optimistischen Wachstumsschätzungen, von denen die Italiener momentan weit entfernt sind. Als Reaktion ziehen sich immer mehr Banken aus der drittgrößten Volkswirtschaft Europas zurück. Privatanleger folgten dem Beispiel. Rom hatte aus diesem Grund Probleme, überhaupt noch Staatsanleihen zu verkaufen und musste in der Folge die Zinsen stetig erhöhen.

Auch Spanien wackelt – keine Hilfe von anderen Staaten in Sicht

Anders als die Griechen und die Iren dürften die italienischen Rufe nach Krediten anderer Eurostaaten – so sie denn erfolgen sollten – ungehört verhallen. Zum einen würde der italienische Bedarf die inzwischen ohnehin schon eingeschränkten Möglichkeiten der anderen Staaten weit überfordern, zum anderen wackelt mit Spanien, das unter vergleichbaren Problemen wie Italien leidet, inzwischen auch die viertgrößte europäische Volkswirtschaft. Aus Madrid könnten ebenfalls Hilferufe erfolgen. Die Eurozone steht am Scheideweg.

Autor: Oliver Böhm
Bildquelle: kleinezeitung.at
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