Dividenden und EU-Auflagen: Der bitter-süße Tag der Commerzbank

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Die Commerzbank möchte ihren Anlegern ab 2013 wieder Dividenden bezahlen. Dies gab Vorstandschef Martin Blessing in einem Interview mit dem “Manager Magazin” an. Mittlerweile sei das Kerngeschäft des Hauses solide, man arbeite eng und nachhaltig mit der Realwirtschaft zusammen, so der Vorsitzende der zweitgrößten deutschen Privatbank. In spätestens drei Jahren wolle man zudem das Ziel erreichen, einen operativen Gewinn von vier Milliarden Euro zu machen, berichtet Blessing weiter, der hervorhebt, dass es die Commerzbank darüber hinaus geschafft habe, die von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA bemängelte Kapitallücke in Milliardenhöhe aus eigener Kraft zu schließen. Das Finanzinstitut sei deshalb bereit, Aktieninhabern wieder Gewinnbeteiligungen auszuzahlen.

EU will Bilanzen schrumpfen

Der schnelle Weg zurück in den Alltag überrascht, denn die Commerzbank konnte vor drei Jahren nur durch massive Staatshilfen gerettet werden. Noch immer ist Deutschland stark in dem Finanzinstitut engagiert. Die Bank reduzierte das Staatsportfolio nach Aussage Blessings im letzten Jahr um 20 Milliarden Euro, dennoch ist die Bundesrepublik weiterhin der größte Einzelanleger.

Wohl deshalb ist die EU eingeschritten und zwingt die Commerzbank zu einigen Veränderungen, um krisenfest zu werden. So muss die Bilanzsumme des Hauses laut “Handelsblatt” bis 2014 auf 600 Milliarden Euro (derzeit 662 Milliarden Euro) schrumpfen. Zudem darf das Finanzinstitut vor 2014 keine anderen Banken kaufen.

Erfolg bei der EuroHypo und bei ausländischen Staatsanleihen

Bei der Commerzbank-Tochter EuroHypo lockert EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia allerdings die Daumenschrauben. Dafür, dass Blessing bis 2014 auf Banken-Zukäufe verzichtet, muss er keinen Käufer für die überschuldete Unternehmenstochter suchen, der aufgrund der desaströsen Finanzlage der EuroHypo ohnehin nur schwer zu finden gewesen wäre. Bestehen darf diese freilich auch nicht weiter. Sie müsse als Marke verschwinden, fordert Almunia, dürfe aber in den unterschiedlichen Sparten der Commerzbank aufgehen.

Fast unbemerkt hat Blessing zudem einen weiteren Schritt unternommen, der vor dem Hintergrund der Eurokrise eigentlich für viel Aufsehen hätte sorgen müssen. Die Commerzbank ist einer der Gläubiger von Spanien, Italien und Portugal. Einen Teil der Refinanzierung ihrer Anleihen hat sich das Geldhaus von den nationalen Notenbanken besorgt. Faktisch bedeutet das: Bricht der Euro zusammen, hält die Commerzbank dennoch einen stabilen Gegenwert in Händen, der dann in der neuen Landeswährung bezahlt werden muss.

Autor: Wolfgang Brunner
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