Leerverkaufsverbot zeigt Wirkung – Experten sind jedoch skeptisch

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Das Verbot von Leerverkäufen, das Frankreich, Spanien, Belgien und Italien am Donnerstag beschlossen hatten, um die Aktienkurse der Finanztitel zu stabilisieren, zeigt Wirkung. Alle Börsenkurse deuteten am Freitag auf einen versöhnlichen Wochenausklang hin. Insbesondere die Bankentitel erholten sich von den schweren Verlusten der Vortage. So konnte beispielsweise die französisch-belgische Dexia um zehn Prozent zulegen. Die Société Générale, die in den vergangenen Tagen aufgrund gezielter Falschmeldungen unter starken Druck geraten war, legte immerhin um mehr als vier Prozent zu. In Deutschland, wo Leerverkäufe ohnehin seit 2010 verboten sind, zeigten die Kurse der beiden größten Privatbanken ebenfalls nach oben. Deutsche Bank und Commerzbank legten um etwa drei Prozent zu.

Leerverkäufe: Sinkende Kurse bescheren die Renditen

Leerverkäufe sind seit langem höchst umstritten, weil die Rendite dadurch erzielt wird, dass der Anleger gegen die positive Marktentwicklung setzt. Bei einem Leerverkauf leiht sich ein Anleger die Aktien, verkauft diese, muss sie jedoch erst später wieder zurückkaufen, um sie an den ursprünglichen Leihgeber zurückzugeben. Wenn er die Kurse bis dahin stark gefallen sind, macht der Anleger durch den Leerverkauf eine große Rendite. Leerverkäufe bestimmter Titel drücken deren Aktienwert deshalb fast immer noch unten.

Deutschland will europaweites Verbot – Experten skeptisch

Die Bundesrepublik fordert bereits seit langem ein europaweites Verbot der Leerverkäufe. Der Erfolg der kurzfristigen Verbote in den vier Ländern habe gezeigt, dass die Maßnahme helfe, teilte ein Sprecher Bundesregierung am Freitag mit. Mit ihren Forderungen stoßen die Deutschen in der Europäischen Kommission auf offene Ohren, die sich ebenfalls einen “europäischen Rahmen” wünscht. Allerdings gibt es massive Widerstände aus London gegen dieses Vorhaben, dessen Finanzzentrum um seine Gewinne fürchtet.

Experten zweifeln ohnehin an dem dauerhaften Erfolg eines Verbots der Leerverkäufe. Die Spekulanten würden über kurz oder lang einfach auf einen anderen Finanzplatz ausweichen, auf dem Leerverkäufe gestattet sind und von dort Druck ausüben. Ein solches Verbot sei lediglich der “verzweifelte Versuch”, die Kurse künstlich gegen die eigentliche Überzeugung der Anleger in der Höhe zu halten, erklärt beispielsweise ein Aktienhändler der Investmentbank Espirito Santo. Der Vorstoß sei deshalb “naiv”.

Autor: Thomas Krafft
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